Zurück in die Zukunft 

 

Die „Let´s talk about love“ von Modern Talking war das erste Album, dass ich je besessen habe (da ist „Cheri Cheri Lady drauf“) . Ich kann jetzt nicht behaupten, dass ich da megastolz drauf bin, aber ich war jung. Ich bin mit Schallplatten aufgewachsen. Das Knarzen und Knacken gehörte immer dazu, wenn an Weihnachten die Flippers Weihnachtslieder gesungen haben. Cool fand ich das irgendwie nicht.
 
Ich war zu dieser Zeit eher im Team….Achtung….Trommelwirbel…Cassetten, also MCs. Der Grund war aber, dass ich Musik schon damals gerne dabei hatte. Also ab mit der Cassette in den Walkman. Man kann sich natürlich gerne an Cassetten erinnern, vermissen werde ich davon aber nichts. Boah…mit dem Bleistift den Kabelsalat der MC wieder hin wurschteln. Das können irgendwelche Facebook-Gruppen gerne per melancholischem Post feiern und verherrlichen, in Wahrheit war das aber der größte Abfuck  😉
Trotzdem gab es aber natürlich Dinge, die gerade diese Zeit, so erinnerungswürdig machen. Sonntag abends um 22 Uhr lief auf HR3 "Hard ´n Heavy". Der kleine Thorschti saß zu der Zeit im Bett, sollte schlafen und hat lieber die neuesten Songs von Megadeth und Judas Priest aufgenommen und den Moderator verflucht, wenn er wieder meinte, reinlabern zu müssen – vielleicht kommt es daher, dass ich beim auflegen eher die Musik sprechen lasse.

Es dauerte aber gar nicht lange bis sich die CD durchgesetzt hatte und somit auch der Discman. Ich war echt froh darüber. CD-Player für zuhause, Discman für unterwegs. CDs konnten endlich mit zu Partys genommen werden.
Meine erste CD war übrigens die „Ein kleines bisschen Horrorschau“ von den Hosen. Das Album ist auch noch heute mein zweitliebstes Hosen-Album (nach der „Damenwahl“). 
 
Mit den CDs wurde dann auch der Grundstock für all das hier gelegt. Ich bin nur DJ, weil ich damals ganze Tage im WOM in Frankfurt oder im Musikladen in Marburg verbracht habe. Gefühlt habe ich mein ganzes Taschengeld in Musik gesteckt. Ich glaube, ich würde es jederzeit wieder tun.
 
Als das mit dem DJing richtig los ging, kam mir mein großes Wissen über Musik, Bands und Trends natürlich zugute. Ich erzähle immer wieder gerne, dass ich Liquido („Narcotic“) schon kannte, bevor sie einen Plattenvertrag hatten. Davon gibt’s viele Beispiele. Wer mir auf Instagram folgt, weiß dass ich immer weiter auf der Suche nach neuen Hits bin. Nach Songs die, wie Bela  so schön sagt „weniger kosten als ein Snickers an der Tanke, dich aber ein Leben lang begleiten“.
 
Die nächsten Jahre waren dann aber nicht immer nur schön. Das DJing hat noch etwas anderes verändert und das war tatsächlich nicht ganz so cool. Musik wurde mehr und mehr Konsumprodukt. Ich durfte nicht nur Musik hören, ich musste. Damals und heute auch noch höre ich Musik, in die ich mich einhören muss, im Auto. Die neuesten Faschings Hits, die aktuellen Hip Hop-Sachen, Soul und RnB – wer es ernst meint mit dem DJing muss sich auskennen und seine Songs kennen. Man kann sich kaum vorstellen, wie unerträglich Auto fahren sein kann 😃 
 
Das ging über 10 Jahre so.
 
Und dann…?
 
Dann stand das Comeback der Schallplatte an und hat mir den Spaß zurückgebracht. Platten auspacken, das erste Mal auflegen, Texte mitlesen. Ich hoffe, du fühlst das, wenn du das liest - dann spielen wir im gleichen Team. Mittlerweile habe ich wahrscheinlich 100 Platten gekauft. Der größte Teil davon sind Platten, die ich in den vergangenen Jahrzehnten gefeiert habe und ich einfach jetzt „nachgeholt“ habe. Alles was neu kommt, wird auf Vinyl gekauft. Allerdings bin ich doch etwas wählerischer geworden, die Dinger sind einfach schweineteuer…naja 😉
 
Danke fürs Lesen und probiert es mal aus, ein neues Album (auch wenn nur gestreamt) beim ersten Mal hören mit eurer kompletten Aufmerksamkeit zu hören. Das verändert vieles.