Wo ist der nächste Trend?
Willkommen im Einheitsbrei
Du kennst das bestimmt, du hörst ein Lied im Radio, du findest es gut, aber irgendwie kommt es dir bekannt vor! Woran liegt das? Naja, es könnte sein, dass ein Sample benutzt wird, dass du kennst. Im Moment halten zum Beispiel 90er Dance-Melodien Einzug in aktuelle House- und Pop-Songs! Was aber wahrscheinlicher ist, ist, dass sich die Musik einfach wiederholt, immer wieder gleiche Sounds oder als DJ gedacht, immer wieder die gleiche Energie und BPM.
Es gibt sie nicht mehr, die Trends, die eine Musikbranche auf den Kopf stellen! Wo waren in den letzten Jahren neue Genres wie Grunge, Techno oder von mir aus sogar Britpop! Musiktrends, die alles beeinflussen, die Mode, die Einstellung zum Leben – alles versinkt im Einheitsbrei.
Immer wieder gibt es zwar grosse Hits, die werden dann monatelang kopiert, Ein neues Genre bildet sich aber nicht mehr. Es liegt wohl zum grossen Teil an unseren Hörgewohnheiten, der immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspanne und an der Art und Weise wie Musik mittlerweile veröffentlicht wird.
Gute alte Zeit
In der Vergangenheit hat eine Band eine Single veröffentlicht, meistens so zwei Monate vor dem Release des Albums. Die Single ging in die Singlecharts und die Vorfreude aufs Album wurde in die Höhe geschraubt. Dann kam das Album und man hat sich darauf gefreut es zu hören, weil da 10 bis 12 nagelneue Songs drauf waren. Anschließend kam eine Tour, eine kleine Bandpause und der Zyklus begann von neuem.
Und heute?
Heute kommen vor dem Albumrelease schon mehrere Singles raus, meistens schon über ein Jahr vor dem Album! Die Folge ist, dass man das Album fast komplett kennt…VOR dem ersten Hören. Ich finde das schrecklich.
Oben drauf kommen Faktoren, wie die Länge der Songs. Dem Streaming geschuldet sind die Songs heute viel kürzer, damit sie öfter gestreamt werden können. Die Aussage „Der perfekte Popsong dauert 3:40 Minuten“ ist nicht mehr aktuell. War es früher egal, da die Verkäufe gezählt wurden, ist heute die Anzahl der Streams entscheidend. Nur so kann man erklären dass Künstler wie aktuell Apache 207 zeitgleich mit drei Songs in den deutschen Top Five sind. Wie aussagekräftig diese Charts damit sind, überlasse ich eurem Urteil 😉
Ich für meinen Teil halte die alte Zeit in Ehren und passe mich der Gegenwart an. Alben von Bands, die ich feiere, kaufe ich auf Vinyl und freue mich wie ein Kind, wenn ich sie zuhause auf den Plattenspieler legen kann. Mein DJ-Ansatz ist aber der Gegenwart und Zukunft angepasst. Ich höre mich jede Woche durch zahlreiche Playlists auf spotify und suche nach den neuesten Hits. Meine Instagram-Follower wissen das und das Feedback auf meinen wöchentlichen Content ist immer sehr sehr gut. Eine Playlist, die ich zum Beispiel jede Woche durchhöre ist die „New Music Friday“ und da sind wirklich 95% Rotz! Unterm Strich kann ich euch empfehlen, meine „Hits 2023“-Playlist zu abonnieren – da gibt’s wirklich nur Hits, versprochen!“
Die Zeit bleibt nicht stehen und auch wenn die Digitalisierung viel Gutes bringt, so ist das Musik-Business gefühlt am Scheideweg. Noch nie wurde mehr Musik konsumiert, aber noch nie wurde so mutlos Musik produziert. Man wünscht der Musikindustrie einfach mal dicke Cojones, damit sie auch mal Künstler pushen, die vielleicht nicht dem aktuellen Trend entsprechen. Ich brauche zwar keine grunge-mässigen Flanel-Hemden mehr, aber ein neuer Trend würde der Welt gut tun.
Ich bin gespannt, wie es weiter geht und bin in freudiger Erwartung des nöchsten grossen Trends. Wenn ich ihn entdecke, sage ich euch Bescheid 😉